Die Stadtbücherei Altena ist eine der ältesten Büchereien Deutschlands. Hier erfahren sie mehr über 125 jährige Geschichte ihrer Stadtbücherei.

 

Artikel aus dem 1988 erschienenen Buch Altena : Beiträge zur Heimat- und Landeskunde


1864 bis 1989

Antonius Gusik

Die Stadtbücherei Altena begeht als eine der ältesten öffentlichen Büchereien Deutschlands 1989 ihr 125jähriges Jubiläum. Der Kreisheimattag '88 bietet zuvor Anlaß zu einem kurzen Abriß der Büchereigeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart und einer knappen Darstellungder Zukunftsperspektiven.

Gründung einer Volksbibliothek inAltena

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wächst auchin Altena das Interesse breiter Bevölkerungskreise an Informationen verschiedenster Art. Diese Aufgeschlossenheit für Bildungsangebote führt 1862 zur Gründung des „Comités für öffentliche Vorträge in Altena". In Privatinitiative sollen in den Wintermonaten „öffentliche populäre Vorträge aus dem Gebiete der Natur, der Weltgeschichte, der Psychologie, der Literatur ..." gehalten werden. (AK 26.11.1862)

Im November 1863 beschließt das Comité, daß die Einnahmen aus den gut besuchten Vorträgen „nach Deckung der Kosten wieder zu gemeinnützigen Zwecken verwandt werden. Für den Hauptüberschuß des vorigen Winters soll eine Volksbibliothek . . . eingerichtet werden, um die Resultate der Wissenschaft, die besten Erzeugnisse der Volksliteratur, sowie Fachschriften auch Denen zugäng­lich zu machen, welche an den Vorträgen nicht Theil nehmen können." (AK 7. 11. 1863)

Am 30. 1. 1864 bittet der aus den Reihen des Comités gegründete „Vorstand der Volks-Bibliothek für Altena und Umgegend" die Öffentlichkeit um Buchgeschenke und Spenden. „Es handelt sich nun zunächst darum, eine geeignete Anzahl von Büchern zu gewinnen, durch welche die religiös-sittliche und allgemein geistige Bildung des Volkes gefördert werden könne, von Büchern, die sich über die Gebiete der Religion, Geschichte, Erziehung, Naturlehre, Länder- und Völkerkunde, Gewerbe, vaterländische Zustände usw. verbreiten und die in einer gemeinfaßlichen, volksthümlichen Weise die Sache darstellen." (AK 30. 1. 1864)

 Am 9. 7. 1864 veröffentlicht das AK die „Statuten für die Volksbibliothek der Stadt Altena" und gibt im Anschluß daran bekannt, daß die Bücherei am Sonntag, den 10. Juli 1864, bei Herrn Apotheker Felthauß eröffnet wird.

Entwicklung bis 1950

Räumlichkeiten und Leitung der Bücherei wechseln in den ersten Jahrzehnten mehrmals. Aus dem Apothekenraum siedelt die Bücherei 1866 mit bereits 1.200 Bänden in das Magistratsgebäude am Kirchplatz, Anfang der 70er Jahre in das Rathaus am Marktplatz über. Ende der 80er Jahre ist die Bücherei im evangelischen Vereinshaus am Schloßberg untergebracht.

1898 übernimmt Konrektor Paul Kriegeskotten als mittlerweile 10. Leiter die Bücherei. Er setzt sich für die Erhöhung der städtischen Zuschüsse und für die Gewährung eines größeren Raumes ein. So werden die städtischen Mittel 1899 von jährlich 200 auf 300 Mark erhöht. 1904 erhält die Bücherei im alten städtischen Realgymnasium am Bungern eine größere Unterkunft, gleichzeitig werden die jährlichen Mittel auf 750 Mark erhöht. Im Jahre des 50jährigen Jubiläums 1914 wird mit einem Bestand von 8 400 Bänden die beachtliche Ausleihzahl von
20. 000 Bänden erreicht. Bis zu seinem Tode 1936 arbeitet Paul Kriegeskotten, unterstützt durch Fachkollegen aus Großstadtbibliotheken, am stetigen Ausbau des Buchbestandes und dessen Erschließung und Veröffentlichung durch gedruckte Bestandsverzeichnisse. 1936 geht die Bücherei in städtische Trägerschaft über. Kriegeskottens Nachfolger, Rektor Weitz, betreut die Einrichtung bis 1949. Unter der folgenden Leitung von Dr. Lennartz zieht die Bücherei 1950 in die bis heute genutzten Räume der früheren Silberschmiede in die Freiheitstraße 24 um. Nach einer gründlichen Bestandsrevision werden die verbleibenden 8 500 Bände neu erschlossen und katalogsiert.

Entwicklung seit 1950

Der nächste große Umbruch in der Bücherei vollzieht sich 1961 mit der Umstellung auf die Freihandausleihe. Waren die Bücher zuvor magaziniert und ausschließlich über den Bibliothekar an der Theke entleihbar, so konnte der Besucher von nun an aus frei zugänglichen Regalen seine Literatur wahlweise selbst oder unterstützt durch bibliothekarische Beratung auswählen.

   1966 wird eine Zweigstelle in der Schule am Knerling eröffnet, 1969 kommen durch die kommunale Neugliederung die Gemeindebüchereien Dahle, Evingsen und Mühlenrahmede als Zweigstellen hinzu.

1971 ist der Bestand der Hauptstelle bereits auf 14.500 Bände angewachsen. Wegen der daraus resultierenden Raumnot erhält die Bücherei das frei werdende Untergeschoß zur Nutzung hinzu.

Buchbestands- und Ausleihzahlen steigen weiter kontinuierlich an. 1979 wird mit 55.536 Ausleihen das beste Ergebnis erreicht. Bis 1981 wächst der Buchbestand bis auf 24.030 Bände an. Die Bücherregale sind völlig überfüllt. Auch wird die seit über 20 Jahren unveränderte Systematik, nach der die Sachliteratur inhaltlich unter­gliedert aufgestellt ist, dem stark ange­wachsenen und um viele neue Wissensgebiete erweiterten Sachbuchbestand nicht mehr gerecht. So wird eine übersichtliche Präsentation der Bestände immer schwieriger. Sitzgelegenheiten und Arbeitsplätze für die Leser können wegen der räumlichen Enge nicht mehr angeboten werden, auch fehlt der Platz für werbewirksame Ausstellungen und Veranstaltungen. Lediglich Vorlesestunden für Kinder finden monatlich auf engstem Raum statt.

Die beengten Verhältnisse, die organisa­torisch bedingte Reduzierung der Öffnungszeiten und auch die rückläufige Einwohnerzahl Altenas führten in der Folge zu sinkenden und seit 1984 stagnierenden Ausleihzahlen.

Zukunftsperspektiven

Mit der Entscheidung, die historischen Gebäude Marktstraße 14 -16 für die Stadtbücherei zu restaurieren, stellt die Stadt Altena die Weichen für einen neuen Aufschwung der Bücherei. Nach Beendigung der umfangreichen Bauarbeiten wird der Umzug voraussichtlich noch 1988 erfolgen.

Damit wird die Stadtbücherei nicht nur geographisch stärker in den Mittelpunkt rücken.

Im neuen Gebäude ist mit erheblich steigenden Benutzer- und Ausleihzahlen zu rechnen. Um die Leistungsfähigkeit der Stadtbücherei zu sichern, soll das Personal demnächst durch Einführung der EDV von zeitaufwendigen Routinearbeiten entlastet werden. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Dienst am Benutzer. Neben dem Beratungs- und Informationsplatz in der Erwachsenenbücherei muß ein weiterer Beratungsplatz in der Kinder-und Jugendbücherei besetzt werden. Ge­plant sind regelmäßige Ausstellungen und Veranstaltungen sowie Gruppenführungen durch die Bücherei.

Vom Eingang aus wird der Besucher an der Verbuchungstheke vorbei direkt in den „Nahbereich" kommen. Hier werden, einem Marktplatz ähnlich, Neuerwerbungen, Bestseller und Bücher zu aktuellen Themen angeboten. In Büchertrögen und Ständern findet der Leser auch nach Interessentenkreisen wie Krimi, Science fiction, Abenteuer, Liebe . . . sortierte Taschenbücher. Ausschlaggebend für die Bestückung des Nahbereiches sind einzig Aktualität und Benutzerinteresse. Diesen beiden Kriterien entsprechen auch Plakattafeln für Veranstaltungshinweise, Pinwände für Leseranzeigen sowie Bilderleisten und Vitrinen für Ausstellungen.

An den Nahbereich grenzt ein kleines „Lesecafé", das als Treffpunkt dienen soll. Hier werden Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften zu verschiedensten Themenbereichen angeboten. Die Zeitschriftenhefte werden mit Ausnahme der jeweils neuesten Ausgabe ausleihbar sein.

Die großflächige Kinder- und Jugendbücherei im Erdgeschoß wird genügend Raum und Sitzgelegenheiten zum Lesen und Spielen bieten. Für Veranstaltungen mit Kindern steht zudem ein gemütlicher Gewölbekeller bereit.

Der Bestand an Schöner Literatur wird auf Erdgeschoß und Obergeschoß aufgeteilt.

Der Sachbuchbestand wird einschließlich aller Nachschlagewerke im Obergeschoß untergebracht. Mehrere Einzelarbeitsplätze stehen in den ausgebauten Fensternischen bereit.

Das große Dachgeschoß mit dem sichtbaren Gebälk des Dachstuhles bietet sich für Lesungen und sonstige Veranstaltungen an.

Die neuen Räumlichkeiten werden es der Stadtbücherei ermöglichen, sich in enger Zusammenarbeit mit anderen Einrich­tungen am Ort wie Kindergärten, Schulen, Volkshochschule, Musikschule, Kunstakademie, Stadtgalerie, Stadtarchiv usw. zu einem Kultur- und Kommunikationszentrum für alle Bürger zu entwickeln.

Quelle: Altena : Beiträge zur Heimat- und Landeskunde  [Heimatbuch zum Kreisheimattag '88 des Heimatbundes Märkischer Kreis in Altena am 10. September 1988] / Heimatbund Märkischer Kreis [Hrsg.]. - Altena, 1988. S. 247-248