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Altenaer
Kreisblatt 13.9.2006
"Monster"
am Rand der Gesellschaft
Realschüler stellen Autorin
Bettina Gundermann Fragen zu ihrem Roman
Von
Christina Römer
ALTENA
■ Gott liebt
alle Kinder, heißt es -
nur Lysander scheint er nicht besonders zu mögen.
Der Junge wurde von seiner Mutter fast getötet,
von anderen Kindern misshandelt und
von der Gesellschaft in ein Heim verbannt. „Gott
schlief, als Lysanders Mutter
versuchte, ihn zu verbrennen", schreibt Bettina Gundermann in ihrem Buch „Lysander".
In der Stadtbücherei hörten gestern rund 50
Realschüler zu, wie die Dortmunder
Autorin mit klaren, harten Worten das Leben des entstellten Jungen am „Rand"
der Gesellschaft beschrieb. Die
Lesung ist ein Teil der „Kinder- und
Jugendbuchtage in Süd Westfalen", die vom 2. September bis 25. November
in Altena, Hagen, Iserlohn und Gevelsberg veranstaltet
werden. Eine
knappe halbe Stunde füllte
die 37-Jährige'mit der eindrucksvollen Erzählung
den Raum, bevor die 14- und 15-jährigen
Schüler Fragen stellen konnten. „Es
gibt nicht nur schöne Sachen auf der
Welt", meinte Gundermann. Das interessiere sie. Schön ist die Geschichte
von Lysander tatsächlich
nicht: Nach dem Mordversuch seiner Mutter lebt der Junge im Heim,
versteckt sich vor seinen Altersgenossen im Keller, die
ihn „Monster" nennen und körperlich
quälen. Er rammt sich eine Gabel in
den Kopf und wird in eine Anstalt für
traumatisierte Kinder gesteckt.
„Ich habe mir die Geschichte ausgedacht", beantwortete Gundermann die ersten zaghaften
Fragen der Jugendlichen. Sie versuche sich in die Charaktere
hineinzudenken. Ein Jahr habe sie gebraucht, um das Buch zu schreiben. „Aber
ich jobbe auch noch nebenher", erzählte sie. Auch ihre
zwei anderen Bücher handeln von
Menschen, die aus der Gesellschaft ausgegrenzt
sind - beispielsweise Drogenprobleme haben. Auch
wie es weitergeht, erfuhren die Schüler. Dass Lysander
einen Freund findet, der
ebenfalls Schreckliches erlebt
hat. Und ihn wieder verliert.
„Gott liebt alle Kinder",
sagt sich Lysander immer
wieder - doch für den Jungen bleibt am Ende nur wenig Hoffnung.
Die
nächste Lesung für Jugendliche
ab 14 Jahre findet am Dienstag,
23. Oktober, statt. Ulla Lenze liest dann aus ihrem Buch
„Schwester und Bruder". Der Eintritt ist frei

Bettina
Gundermann liest mit klarer Stimme. Foto: Römer

| Lysanders
Schicksal lässt auch die Lässigsten nicht kalt |
Westfälische Rundschau 13.09.2006 /
LOKALAUSGABE / ALTENA
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Altena. (aro)
"Lysanders erster Schrei nur widerwillig. Dennoch füllte der Schrei
seine Lungen mit Luft. Dann erst zerbiss seine Mutter die
Nabelschnur." Diese ersten Zeilen, die Bettina Gundermanns am
Dienstag in der Stadtbücherei vorlas, ließen den jungen Zuhörern die Münder
offen stehen. Die Dortmunderin besuchte die Burgstadt für eine Lesung im
Rahmen der Aktion Leselust und stellte den rund 80 Achtklässlern der
Realschule Auszüge aus ihrem Roman "Lysander" vor. Die 37-Jährige
hat bereits drei Bücher veröffentlicht, die einen gemeinsamen Nenner
haben: "Ich interessiere mich für Menschen am Rande der
Gesellschaft, die es im Leben nicht einfach haben", sagt die Autorin
von "Lines", "Teufelsbrut" und "Lysander".
Die Realschülerinnen und Realschüler lauschten konzentriert der
Geschichte von Lysander, dem Jungen, dessen Mutter ihn verbrennen wollte.
Der Mordversuch schlug fehl, doch die schwere Entstellung seines Gesichts
bedeutete für Lysander den Ausschluss aus der Gesellschaft, Ablehnung und
Furcht. Der dramatische Werdegang des Protagonisten versetzte die Zuhörer
in ein Wechselbad aus Mitleid, Entsetzen und Erstaunen. Als Bettina
Gundermann vorlas, wie sich der junge Lysander, inzwischen in ein
Kinderheim abgeschoben, eine Gabel in die Stirn rammte, waren selbst die lässigsten
Jungs der 8. Klasse für einen Moment ganz still und gebannt. Im Anschluss
an die rund 40-minütige Lesung beantwortete die Autorin, die 2002 mit dem
Literatur-Förderpreis der ihrer Heimatstadt Dortmund ausgezeichnet wurde,
Fragen der Jugendlichen und des Büchereileiters Antonius Gusik.
"Lysander" beruhe nicht auf einer wahren Geschichte, aber
Menschen in elendigen Situationen finde man genug: "Die Idee zum
Roman kam nicht durch konkrete Ereignisse. Ich kenne auch niemanden mit
einer ähnlichen Entstellung. Wenn man aber mit offenen Augen durch die
Welt geht, kommt man zur Erkenntnis, dass es auch Menschen gibt, denen es
schlecht geht. Beim Schreibprozess versuche ich mich in solche
hineinzuversetzen." Eine Fortsetzung von "Lysander" ist
nicht geplant, Bettina Gundermann arbeitet im Moment bereits an einem
neuen Projekt. "Lysander" (ISBN: 3-89561-360-6) ist im Schöffling
Verlag erschienen und kostet 17,90 Euro. |
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