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4.5.2004

"Tüpisch" heißt das Buch von Züleyha Mau, in dem sich die
Autorin mit kulturellen and mentalen Unterschieden zwischen Deutschen, und
Türken befasst. * Foto: Bröer
"Tüpisch" ist alles andere als typisch
ALTENA • Lesen bildet - das ist gemeinhin bekannt. Auch was die äußere
Form eines Buches anbelangt, bestehen keine Zweifel. Zumindest bis heute. Denn
was die 30-jährige Autorin Züleyha Mau am Sonntag anlässlich des
Literaten-Frühstückes in der Stadtbücherei vorstellte, war neu.
Das Buch trägt zwar den Titel "Tüpisch", ist vom Inhalt und der
Form her jedoch völlig untypisch. Die diplomierte Designerin Züleyha Mau
befasst sich in ihrem Werk, das gleichzeitig auch ihre Diplomarbeit darstellt,
mit den kulturellen und mentalen Unterschieden zwischen deutschen und
türkischen Mitbürgern. "Leider haben sich beide Bevölkerungsgruppen
innerhalb der Bundesrepublik in den letzten Jahren auseinander gelebt",
erklärte die Autorin. "Wenn man sich jedoch ein wenig mit dem Thema
befasst, wird man feststellen, dass die Unterschiede gar nicht so groß
sind."
Um eben dies aufzuzeigen, hat Züleyha Mau eine besondere Buchform
entwickelt.
Man stelle sich zwei nebeneinander liegende Bücher vor. Beide Werke sind in
der Mitte miteinander verbunden und bilden somit ein gesamtes Werk. Eines der
Bücher wird nach links, dass andere nach rechts aufgeschlagen, so dass beide
geöffnet vor dem Leser liegen. "Die von mir gewählte Form des Buches
ermöglicht im Grunde ein zeitgleiches Nachlesen, und zwar auf der einen Seite
über die türkische, auf der anderen, gegenüberliegenden Seite über die
deutsche Mentalität", sagte die Autorin. Ein Vergleich der
unterschiedlichen Wertesysteme beider Bevölkerungsgruppen also. Das Werk ist
reich bebildert, es lebt nicht nur vom Text, sondern auch von den eingebrachten
Fotos.
Züleyha Mau sucht nun einen Verlag, zur Veröffentlichung des Buchs. Das
literarische Ergebnis der umfangreichen Recherchen der Autorin ist eindringlich,
aber auch zuversichtlich. Und eines ist das Buch ganz sicher: Beeindruckend. •
hb
Altenaer Kreisblatt 4.5.2004

3.5.2004
Onkel Hassan überholt Tante Emma

Im Leinenkleid stecken zwei Bücher: Züleyha Mau stellt
typisch deutsch und türkisch nebeneinander.
Altena. (jw) "Wir haben geschlafen", meint Züleyha Mau. Die Integration von Türken in Deutschland solle aber kein Traum bleiben. Mit ihrer Diplomarbeit will die Designerin Verständnis auf beiden Seiten wecken - deshalb servierte sie ihr Doppel-Buch gestern beim Literaturfrühstück in der Stadtbücherei.
Bierbäuche und Döner stecken darin ebenso wie Gartenzwerge und Machos. Typisches erfragte Züleyha Mau von Deutschen und Türken: Speisen, Spiele, Stars und Gewohnheiten. Die Ergebnisse fasste die 30-Jährige aus Fröndenberg unter dem Titel
"tüpisch" in zwei Teilen unter einem Deckel zusammen.
Wie in ihrem Buch schaffte die Autorin es auch mit ihrem Vortrag, über Vorurteile und Sprachbarrieren hinweg Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Die rund 20 Gäste im Lesecafe? der Stadtbücherei diskutierten über Glaubensstrenge, Kindererziehung, Kleidung und Ernährung - und erkannten in der Festlichkeit zur Beschneidung nicht nur schmerzhaften Unsinn, sondern religiösen Tiefsinn und unter dem Kopftuch nicht nur demütige Verhüllung, sondern Gedanken an Mode. Als Beleg für die Bemühung um Integration sah Züleyha Mau, "dass die Türken der zweiten und dritten Generation hier investieren, in Hausbau oder Berufe - wie früher Tante Emma gibt es jetzt Onkel Hassan-Läden". Sprachprobleme seien allerdings gewachsen, gab die Autorin einer Zuhörerin Recht. Sie bedauerte, dass nur eine Türkin unter den Gästen war.
Der eigene Zwiespalt brachte Züleyha Mau, deren Vater 1961 als Gastarbeiter nach Deutschland kam und die mit ihrem deutschen Lebenspartner einen acht Monate alten Sohn hat, auf das Thema ihrer Abschlussarbeit an der Fachhochschule Münster: "Ich habe meine Familie mit Pilgern und Kopftuch auf der einen und die Familie meines Mannes mit Posaunenchor und Schützenfest auf der anderen Seite."
Buch
zeigt zwei Seiten der Integration
Züleyha Mau: Vorurteile sind zum Lachen
Fortsetzung von Lokalseite 1
Altena. (jw) "Viele Deutsche wissen nicht, wie viele
Glaubenrichtungen es in der Türkei gibt." "Ich komme aus
Dortmund und kannte, bis ich nach Dahle gezogen bin, auch keine freien oder
reformierten Gemeinden."

Das Buchfrühstück schmeckte 20Gästen. (WR-BiId:Wäsche)
Dieser Dialog zweier Besucherinnen des
Literaturfrühstücks war typisch für das gestrige Gespräch über Vorurteile,
"über die wir viel öfter lachen sollten, als uns darüber zu
ärgern", betonte Züleyha Mau. "Türken sind ein Teil der Deutschen,
auch wenn man das hier manchmal nicht wahrhaben will".
Wer nach dem Vortrag in ihrem überformatigen
Werk blättern wollte, rnusste Handschuhe anziehen. "Es gibt bislang nur
diese eine Ausgabe", erklärte Züleyha Mau. "Und die hat mich
anderthalb Jahre Arbeit und 850 Euro gekostet."
Beide Hände brauchte man zum Aufschlagen,
denn im Leinenkleid stecken zwei Bücher - typisch Deutsch und typisch
Türkisch. "Zu schade für ein Taschenbuch", meint die Autorin und
sucht seit der Fertigstellung 2003 bislang vergeblich nach einem Verlag.
Auf Vortragen - Altena war die zweite Station
- transportiert sie den Inhalt. Vor allem junge Menschen wolle sie damit
erreichen: "Einen alten Baum kann man nicht mehr bewegen - ah er die Blumen
darunter."
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