Altena. (iho) Roberto Legnani: immer wieder ein
Genuss - das fanden am Dienstag 50 Besucher des Konzertes vom Meister
der spanischen Gitarrenmusik. Der Vollblutmusiker begeisterte zum
drittenmal auf höchstem musikalischen Niveau. Durch den Konzertsaal
schwebten Emotionen en masse.
Roberto Legnani brauchte nicht viel, um sein
Publikum zu unterhalten: Das Bild, dass er abgab, war still und
bescheiden und dennoch fesselnd: Ein kleiner Hocker, eine winzige Fußbank,
ein schwacher Lichtstrahl und eine Gitarre waren die einzigen Dinge, die
er benötigte. Mehr hätte ihn nur abgelenkt, denn kaum jemand anderes
strahlt beim Musizieren eine solch geballte Konzentration aus.
Kaum hatte er sich gesetzt, schloss er die
Augen und öffnete sie erst wieder Minuten später. Was seine Finger aus
den Saiten seiner Konzertgitarre zauberten, sprach für sich. Ein
wohliger Schauer überkam die Zuhörer, als die ersten Töne einer
sanften spanischen Ballade erklangen. Romantik pur erfüllte den Raum.
Die Einen schlossen die Augen ebenfalls und ließen sich auf eine
Traumreise ein, die Anderen konnten die Blicke nicht von den Händen des
Meisters lassen. Sanft und zärtlich streichelte und liebkoste der
Musiker sein Instrument. Dabei erzeugte er mit seinen Fingern liebliche
und anmutige Töne, die teils wie ein ruhiger Fluss strömten,
andererseits so kraft- und temperamentvoll wie ein reißender Wasserfall
wirkten. Zwischen den Stücken stand er jeweils kurz auf, verbeugte sich
schamhaft, lächelte charmant-schüchtern ins applaudierende Publikum
und widmete sich gleich wieder seiner geliebten Gitarre, die er so
vorsichtig und bedächtig behandelte wie einen kostbaren Schatz.
Seine linke Hand vollbrachte Kunstwerke: Der
Unterarm bewegte sich langsam, die schmalen Finger rasten derweil über
das Griffbrett. Legnani setzte nicht nur die Fingerspitzen, sondern
gleich die vollen Fingerkuppen und den Handballen ein, um Töne zu
erzeugen, die kaum jemand aus einer Konzertgitarre erwartet hätte.
Durch geschickte Technik ähnelten manche Passagen sogar Harfenmusik.
Diese Vielfältigkeit hatte ihren eigenen Reiz, die Töne bildeten immer
wieder neue musikalische Geschichten und Klangkunstwerke, führten durch
das alte und moderne Spanien, dass so viele Geschichten in sich
beherbergte.
Obwohl die Bewegungen des Meisters sparsam
waren, konnten die Zuschauer jede Gefühlsregung wie Melancholie, Wut
oder grenzenlose Freude aus seinem angespannten Gesicht ablesen.
Gelegentlich bäumte Legnani sich auf, wenn die Geschichten, die seine
Gitarre erzählte, an einem Höhepunkt angelangt waren.
Die musikalischen Höhepunkte würdigten die
Zuhörer mit viel Applaus. Wieder nur ein dankbares Lächeln und keine
Applausheischerei, dann entschwand der Gitarrero, bedankte sich und
kehrte für eine Zugabe zurück, freute sich über die Blumen, den ihm Büchereileiter
Gusik überreichte und gab dem Publikum, was es wollte: Mehr.
13.03.2002