12.3.2002

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Legnani-Porträt

Mittwoch, 13.03.2002

Durch den Saal schwebten Emotionen

Roberto Legnani verzauberte in der Bücherei rund 50 Zuhörer/innen. (W-Bild: iho)

Altena. (iho) Roberto Legnani: immer wieder ein Genuss - das fanden am Dienstag 50 Besucher des Konzertes vom Meister der spanischen Gitarrenmusik. Der Vollblutmusiker begeisterte zum drittenmal auf höchstem musikalischen Niveau. Durch den Konzertsaal schwebten Emotionen en masse.

Roberto Legnani brauchte nicht viel, um sein Publikum zu unterhalten: Das Bild, dass er abgab, war still und bescheiden und dennoch fesselnd: Ein kleiner Hocker, eine winzige Fußbank, ein schwacher Lichtstrahl und eine Gitarre waren die einzigen Dinge, die er benötigte. Mehr hätte ihn nur abgelenkt, denn kaum jemand anderes strahlt beim Musizieren eine solch geballte Konzentration aus.

Kaum hatte er sich gesetzt, schloss er die Augen und öffnete sie erst wieder Minuten später. Was seine Finger aus den Saiten seiner Konzertgitarre zauberten, sprach für sich. Ein wohliger Schauer überkam die Zuhörer, als die ersten Töne einer sanften spanischen Ballade erklangen. Romantik pur erfüllte den Raum. Die Einen schlossen die Augen ebenfalls und ließen sich auf eine Traumreise ein, die Anderen konnten die Blicke nicht von den Händen des Meisters lassen. Sanft und zärtlich streichelte und liebkoste der Musiker sein Instrument. Dabei erzeugte er mit seinen Fingern liebliche und anmutige Töne, die teils wie ein ruhiger Fluss strömten, andererseits so kraft- und temperamentvoll wie ein reißender Wasserfall wirkten. Zwischen den Stücken stand er jeweils kurz auf, verbeugte sich schamhaft, lächelte charmant-schüchtern ins applaudierende Publikum und widmete sich gleich wieder seiner geliebten Gitarre, die er so vorsichtig und bedächtig behandelte wie einen kostbaren Schatz.

Seine linke Hand vollbrachte Kunstwerke: Der Unterarm bewegte sich langsam, die schmalen Finger rasten derweil über das Griffbrett. Legnani setzte nicht nur die Fingerspitzen, sondern gleich die vollen Fingerkuppen und den Handballen ein, um Töne zu erzeugen, die kaum jemand aus einer Konzertgitarre erwartet hätte. Durch geschickte Technik ähnelten manche Passagen sogar Harfenmusik. Diese Vielfältigkeit hatte ihren eigenen Reiz, die Töne bildeten immer wieder neue musikalische Geschichten und Klangkunstwerke, führten durch das alte und moderne Spanien, dass so viele Geschichten in sich beherbergte.

Obwohl die Bewegungen des Meisters sparsam waren, konnten die Zuschauer jede Gefühlsregung wie Melancholie, Wut oder grenzenlose Freude aus seinem angespannten Gesicht ablesen. Gelegentlich bäumte Legnani sich auf, wenn die Geschichten, die seine Gitarre erzählte, an einem Höhepunkt angelangt waren.

Die musikalischen Höhepunkte würdigten die Zuhörer mit viel Applaus. Wieder nur ein dankbares Lächeln und keine Applausheischerei, dann entschwand der Gitarrero, bedankte sich und kehrte für eine Zugabe zurück, freute sich über die Blumen, den ihm Büchereileiter Gusik überreichte und gab dem Publikum, was es wollte: Mehr.

13.03.2002    

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Filigrane Fingertechnik auf der "La Portentosa"
Gitarrist Roberto Legnani spielte zum dritten Mal in Altena. Spanische Gitarrenklänge in der Stadtbücherei. Begeistertes Publikum

Das Publikum genoss das Konzert und feierte den Künstler mit großem Applaus.
ALTENA • Seine Gitarre trägt den klangvollen Namen "La Portentosa" und ist das Ergebnis 30-jähriger Gitarrenforschungsarbeit der Meisterwerkstätte für feine Zupfinstrumente Dieter Hopf im Taunus. Die spanische Gitarrenmusik, die Roberto Legnani diesem wundervoll klingendem Instrument entlockt, ist beeindruckend. Höchst konzentriert und mit geschlossenen Augen bot der virtuose Solist ein Konzert auf sehr hohem Niveau.

Gerade die klassische Gitarre zeigt, welche Vielfalt in diesem Instrument steckt. Roberto Legnani, der ganze Konzerthallen füllt und das Publikum in seinen Bann zieht, begeisterte am Dienstag bereits zum dritten Mal sein Publikum in der Stadtbücherei Altena. Rund 50 Besucher genossen sichtlich das etwa 90-minütige Programm: Einige Zuhörer schlossen genüsslich die Augen und gaben sich ganz seiner Musik hin. Andere fixierten den ganz in schwarz gekleideten Künstler und beobachteten seine filigrane Fingertechnik auf der "La Portentosa".

Das erste Stück, das Legnani spielte, heißt "Variazioni, op. 9", von Fernando Sor. Stücke von weiteren berühmten Komponisten wie Francisco Tàrrega (Marieta) und Mauro Giuliani (Le Rossiniane no.1, op. 119) begeisterten ebenfalls das Publikum.

Der zweite Programmteil blieb dem südamerikanischen und spanischen Genre vorbehalten. Aus Brasilien stammt "Jongo", ein Tanz, der das Geräusch von Ochsenkarren imitiert, dem folgten zwei katalanische Volkslieder und Enrique Granados "Danza espanola".

Mit großem Applaus feierte das Publikum den faszinierenden Künstler und entließ ihn erst nach zweimaliger Zugabe. Roberto Legnani bedankte sich ebenfalls für das großartige Publikum in Altena.

Büchereileiter Antonius Gusik bedankte sich bei dem bescheidenen Künstler mit einem Blumenstrauß für das wundervolle Konzert. • loe

© [14.03.2002] Märkischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG
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