Am Anfang stand eine unterhaltsame und dennoch tiefsinnige Lesung zum
"Tag des Buches" : Der arabische, literaturpreisgekrönte Autor
Ghazi Abdel-Qadir aus Siegen war am Montagabend Gast der Stadtbücherei.
Nach dem Auftakt mit der Bauchtänzerin Rashalla al Chantara hatte der
Autor die 15 Besucher schnell in seinen Bann gezogen, so spannend erzählte
er aus seinem Buch, "das nicht da ist". Denn: Ghazi Abdel-Qadir
hat alle seine Bücher im Kopf. So war seine "Lesung" eher eine
kleine Theateraufführung, eine One-Man-Show, geprägt von orientalischer
Erzählkunst.
Die Besucher hörten lustige Begebenheiten von den ersten Stunden und
Tagen eines Fremden in Deutschland, von witzigen Missverständnissen, die
oftmals - ganz passend zum "Tag des Buches" - allein auf Worten
beruhten: Worte, die zusammenführen sollen, aber allzu oft trennen.
Ghazi Abdel-Qadir machte mit seinen Begebenheiten auf Widersinnigkeiten
mancher Gesetze aufmerksam, auf gepredigte christliche Nächstenliebe, die
selbst bei Pastören bei der Wohnungsvergabe aufhöre.
Die unterhaltsame Art des Vortragens ließ die faszinierten Zuhörer
oftmals lachen; so auch die Schilderung Ghazi Abdel-Qadirs, wie er auf
seinen wüstentauglichen Lederschuhen im deutschen Winter seiner Traumfrau
entgegen rutschte. Die reagierte mit den Worten "Da hast Du Schwein
gehabt" - und Ghazi Abdel-Qadir verstand nur "Du Schwein".
Umso erstaunlicher, dass er sich vehement dagegen aussprach, dass alle
Ausländer in Deutschland einen Deutschkurs besuchen sollten. Das brachte
schließlich eine Diskussion ins Rollen, bei der alle Positionen auf den
Tisch kamen: Durchdachtes und Undifferenzietes, Stammtisch-Parolen ebenso
wie die genaue Betrachtung des Wortes "Wirtschaftsflüchtling" für
einen Asylbewerber. Ein junger Ausländer versuchte gemeinsam mit Ghazi
Abdel-Qadir, die Situation eines Ausländers in Deutschland zu erklären.
Doch die Mutter, deren Tochter von ausländischen Kindern bedroht wird,
konnte mit Ghazi Abdel-Qadirs Ratschlag - "Beide in den Arm
nehmen!" kaum zufrieden sein.
Zugfahrplan setzte Diskussion ein Ende Immer wieder verwies der
Schriftsteller auf das Leben Deutscher im Ausland: "Deutsche auf
Mallorca arbeiten auch nicht" und "Tausende Deutsche in
Jordanien können die Sprache auch nicht und werden trotzdem jordanische
Staatsbürger". Dem kritischen Teil des Publikums halfen solche
Antworten nicht weiter.
Die spannende Diskussion brach Büchereileiter Gusik abrupt ab: Der
Autor musste zum Zug. Was blieb? Eine oft gehörte, sicherlich gültige
Aussage, die aber diesmal keinen zufrieden stellte: "Wir brauchen
mehr Tolerenz, mehr Verständnis füreinander."