23.4.2001

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Westfälische Rundschau 24.4.2001

Dem gemeinsamen Lachen folgte die kontroverse Diskussion
Altena. (ina) Gerade noch lachten sie gemeinsam über Widrigkeiten und Widersinnigkeiten im Miteinander von Deutschen und Ausländern - und nur Minuten später entbrannte eine kontroverse, spannende Diskussion über das Verhalten von Ausländern in Deutschland - und das von Deutschen im Ausland.

Am Anfang stand eine unterhaltsame und dennoch tiefsinnige Lesung zum "Tag des Buches" : Der arabische, literaturpreisgekrönte Autor Ghazi Abdel-Qadir aus Siegen war am Montagabend Gast der Stadtbücherei.

Nach dem Auftakt mit der Bauchtänzerin Rashalla al Chantara hatte der Autor die 15 Besucher schnell in seinen Bann gezogen, so spannend erzählte er aus seinem Buch, "das nicht da ist". Denn: Ghazi Abdel-Qadir hat alle seine Bücher im Kopf. So war seine "Lesung" eher eine kleine Theateraufführung, eine One-Man-Show, geprägt von orientalischer Erzählkunst.

Die Besucher hörten lustige Begebenheiten von den ersten Stunden und Tagen eines Fremden in Deutschland, von witzigen Missverständnissen, die oftmals - ganz passend zum "Tag des Buches" - allein auf Worten beruhten: Worte, die zusammenführen sollen, aber allzu oft trennen.

Ghazi Abdel-Qadir machte mit seinen Begebenheiten auf Widersinnigkeiten mancher Gesetze aufmerksam, auf gepredigte christliche Nächstenliebe, die selbst bei Pastören bei der Wohnungsvergabe aufhöre.

Die unterhaltsame Art des Vortragens ließ die faszinierten Zuhörer oftmals lachen; so auch die Schilderung Ghazi Abdel-Qadirs, wie er auf seinen wüstentauglichen Lederschuhen im deutschen Winter seiner Traumfrau entgegen rutschte. Die reagierte mit den Worten "Da hast Du Schwein gehabt" - und Ghazi Abdel-Qadir verstand nur "Du Schwein".

Umso erstaunlicher, dass er sich vehement dagegen aussprach, dass alle Ausländer in Deutschland einen Deutschkurs besuchen sollten. Das brachte schließlich eine Diskussion ins Rollen, bei der alle Positionen auf den Tisch kamen: Durchdachtes und Undifferenzietes, Stammtisch-Parolen ebenso wie die genaue Betrachtung des Wortes "Wirtschaftsflüchtling" für einen Asylbewerber. Ein junger Ausländer versuchte gemeinsam mit Ghazi Abdel-Qadir, die Situation eines Ausländers in Deutschland zu erklären. Doch die Mutter, deren Tochter von ausländischen Kindern bedroht wird, konnte mit Ghazi Abdel-Qadirs Ratschlag - "Beide in den Arm nehmen!" kaum zufrieden sein.

Zugfahrplan setzte Diskussion ein Ende Immer wieder verwies der Schriftsteller auf das Leben Deutscher im Ausland: "Deutsche auf Mallorca arbeiten auch nicht" und "Tausende Deutsche in Jordanien können die Sprache auch nicht und werden trotzdem jordanische Staatsbürger". Dem kritischen Teil des Publikums halfen solche Antworten nicht weiter.

Die spannende Diskussion brach Büchereileiter Gusik abrupt ab: Der Autor musste zum Zug. Was blieb? Eine oft gehörte, sicherlich gültige Aussage, die aber diesmal keinen zufrieden stellte: "Wir brauchen mehr Tolerenz, mehr Verständnis füreinander."