Walser

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                       In der Stadtbücherei Altena zu Gast
8. November 2001 um 20.00 Uhr

Eintritt 7,00 DM / 5,00 DM

Presseberichte zur Lesung


1961 geboren als Tochter des Schriftstellers Martin Walser.

1981-1986 Studium der Malerei in New York und Wien.

Übersetzungen aus dem Englischen (Theaterstücke u.a. von E. Albee, J.C. Oates und "Die Tagebücher" von Sylvia Plath)

1990 Bilderbuch "Traumhochzeit".

1992 Ingeborg-Bachmann-Preis und Bettina-von-Arnim-Preis

1994 Erster Prosaband: "Dies ist nicht meine ganze Geschichte".

1994 Mitgliedschaft im Internationalen PEN-Club.

1996 Theaterstück: "Das Entzücken". (Uraufführung in Zürich 14.11.2000)

2000 Literatur-Stipendium der Märkischen Kulturkonferenz für  "Die kleinere Hälfte der Welt." Erzählungen
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2000, ISBN 349807346X Gebunden, 112 Seiten, 26,00 DM (13,29 EUR)

 Buchcover

[ Klappentext ]
Als die Mutter ihr die Gebrauchsanweisung gibt, ist es schon lange passiert. Zehn Jahre später berichtet die Tochter ihrer Mutter, wie sie ihre Unschuld verlor - an einem heißen Sommernachmittag, vor den großen Ferien, die Mutter war in der Redaktion, der Vater auf Reisen, und der Nachbar, der amerikanische Kammersänger Mr. Waterhouse, wollte mit ihr, der damals Vierzehnjährigen, ein Lied einstudieren. Dass "Wasserhäuschen", wie die beiden ihn liebevoll nannten, auch der Liebhaber der Mutter ist, dass die Mutter einen ganzen Sommer lang von ihrer Tochter betrogen wurde, das enthüllt diese ihr im Laufe der Erzählung allmählich, voll grausamer Zärtlichkeit, und genüsslich wirft sie einen gnadenlosen Blick zurück auf die banalen Details dieses erwarteten Ereignisses: der Likörfleck auf dem Teppich, die zwei Handtücher, die Haarsträhne über der Glatze ihres ersten Liebhabers, das flache Schächtelchen in seiner Hand ...

Rezensionen:
(Quelle: http://www.perlentaucher.de)

[ Die Zeit ] Vom : 17.08.2000
Katharina Döbler nimmt die Erzählungen dreier Autorinnen zum Anlass, eine Lanze für das viel geschmähte Genre der Frauenliteratur zu brechen. Dem Kitschverdacht und dem Innerlichkeitsvorwurf sieht sie dabei auf ganz verschiedene Weise begegnet.
1) Maike Wetzel: "Hochzeiten"
Zu Maike Wetzels Roman bemerkt Döbler, dass die Autorin mit ihrer knappen, klaren Sprache, die auf unnötiges schmückendes Beiwerk verzichte, "Fragmente aus der Wirklichkeit" liefere. Dabei entstehen "Dialogfetzen im Originalton", die für Döbler einen hohen Grad an Authentizität haben. Ein wenig erinnert sie der lakonische Ton an Raymond Carver – allerdings gebe es bei Wetzel nur glatte Oberflächen, bei Carver dagegen "schwindelerregende Transparenz". Wetzels Sprache verliert ihre Klarheit nur dann, wenn sie Gefühle beschreibt, dann "rutschen und kippen die Texte ins Angestrengte", beobachtet Döbler.
2) Alissa Walser: "Die kleinere Hälfte der Welt"
Die Erzählungen von Alissa Walser seien dagegen mit Bedeutung aufgeladen. Döbler bewundert Walsers "außerordentliches Gespür für das sexuell Aufreizende, aber auch das Bedrohliche und Gemeine". Wenn Wetzel mit "achselzuckendem Zynismus" die Dinge nimmt, wie sie sind, beschreibe Walser die Entstehung dieser Haltung als "schmerzhaften Prozess". Besonders lobt Döbler auch die elegante Sprache, die das Derbe mit dem nur Angedeuteten gekonnt kombiniere.
3) Marlene Streeruwitz: "Majakowskiring"
Auch an dieser Erzählung lobt Döbler besonders die Sprache Streeruwitz`, die mit ihrer Rhythmisierung und Künstlichkeit bereits zum Markenzeichen der Autorin geworden sei. Dieser "irritierende Sprachduktus" ist für Döbler ein überzeugendes literarisches Verfahren. Das sich bei Liebesgeschichten immer einstellende Problem der Verkitschung löse die Autorin geschickt, indem sie den "Kitschverdacht offensiv in ihre Erzählung hineinzitiert".
[ Die Tageszeitung ] Vom : 15.07.2000
Im Grunde nicht angenehm zu lesen findet Kolja Mensing Alissa Walsers zweiten Erzählungsband, aber eben doch recht faszinierend. Es gehe um "den schnellen Sex, Eifersucht und Gewalt", schreibt der Rezensent in seiner Kurzkritik, und dabei sei die Sprache Alissa Walsers "präzise und kalt".
[ Frankfurter Allgemeine Zeitung ] Vom : 05.06.2000
Für Christoph Bartmann steht in Walsers Geschichten vor allem eines im Vordergrund: "die durchaus verheerenden Effekte der Begierde": Immer wieder begeben sich frühreife "Girlies" in verwegene Situationen, bei denen sie einen hohen Preis bezahlen und dies auch offenbar mit einkalkulieren. Auffallend ist für ihn dabei die Distanz, ja Teilnahmslosigkeit der Erzählerin, die sich beispielsweise bei schnellem Sex auf der Rückbank eines Autos gar an "die Rotation von Bürsten in einer Autowaschanlage" erinnert fühlt. Etwas "Unheimliches, Unberechenbares" diagnostiziert Bartmann in diesen Geschichten, die ihn zwar nicht zu Schwärmereien hinreißen, aber offenbar doch stark beeindruckt haben.
[ Süddeutsche Zeitung ] Vom : 18.05.2000
Katrin Hillgruber kann sich nicht so recht erwärmen für dieses Buch. "Eine erzählerische Entwicklung läßt sich (...) nicht feststellen", bemerkt sie trocken und läßt erkennen, dass sie bereits Walsers Debütroman von 1994 nicht überzeugend fand. Es bleibt ihr zu viel unklar, nur angedeutet, die Personen scheinen ihr manchmal seltsam unbeteiligt. Hillgruber erwähnt eine Szene, in der ein sexuelles Abenteuer mit genau demselben "naturwissenschaftlichen Interesse" beobachtet wird wie das Spülen einer Rastplatztoilette. Sexuelle Gewalt ist in diesem Buch– so Hillgruber – ein zentrales Thema. Die Rezensentin wundert sich jedoch, dass die Mädchen in den Erzählungen diese an "untergeordneten Geschöpfen exerzieren" (wie z. B. "Hummer, Bedienungen"), eine Auseinandersetzung mit Männern auf Augenhöhe jedoch nicht stattfindet. Hillgruber vermutet bei der Plath-Übersetzerin Walser eine Faszination von deren Gewaltverständnis, allerdings in einer Weise bearbeitet, dass "ein Sound entsteht, der die Nachtseite von Frauenzeitschriften der höheren Preiskategorie verkörpert", so die Rezensentin.

Besprechungsdienst der EKZ

Walser, Alissa:
Die kleinere Hälfte der Welt : Erzählungen / Alissa Walser. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 2000. - 108 S. : Ill. ; 20 cm ISBN 3-498-07346-X fest geb. : DM 26.00
Untertitel: Eine Sammlung mit Erzählungen, in denen die distanzierte, genau betrachtende Ich-Erzählerin immer präsent ist.
Besprechung: Alissa Walser, Tochter eines prominenten Vaters, erhielt für ihren 1. Prosaband "Dies ist nicht meine ganze Geschichte" (BA 6/94) ein durchweg freundliches Kritikerecho. Ihre neuen Erzählungen schließen in der Genauigkeit der Beobachtung, der sensiblen Sprachgestaltung und einer ebenso 
eigenwilligen wie einprägsamen Methaphorik unmittelbar an ihr Erzähldebüt an. Die Ich-Erzählerin, eine junge Frau, die sich den staunenden Blick auf die Erwachsenen-Welt bewahrt hat, beschreibt vorwiegend erotische Erfahrungsmuster, Paarkonstellationen oder Gesprächsverläufe, durch die ein tiefer Riss der Fremdheit geht, vor allem der Fremdheit zwischen den Geschlechtern. Alissa Walser führt den Leser in ihren filigranen Prosaminiaturen mitten in scheinbar alltägliche Lebenssituationen, die sich aber immer ganz anders entwickeln, als man es erwartet hätte, und die damit das Wirklichkeitsverständnis des Lesers nachhaltig irritieren. Leider halten die Geschichten der 2. Bandhälfte nicht das Niveau der 1. Empfohlen wie der Vorgängerband.

Ronald Schneider ID: 22/00 BA: 07/00

Walser, Alissa:
Dies ist nicht meine ganze Geschichte / Alissa Walser. - 1. Aufl. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 1994. 
- 92 S. : Ill. ; 20 cm  ISBN 3-498-07331-1 fest geb. : 26,00
Untertitel: Die Autorin - Tochter Martin Walsers - spürt in ihrem ersten Prosaband den Möglichkeiten und 
Unmöglichkeiten der Selbsterfahrung in Liebesbegegnungen nach. - Ingeborg-Bachmann-Preis 1992.

Besprechung: Mit dem 1. Text dieses schmalen Prosa-Bandes, einer psychologisch subtil gemachten Vater-Tochter-Geschichte, hatte Alissa Walser auf Anhieb den Ingeborg-Bachmann-Preis 1992 erhalten. Ihr weniger erzählerisches als  sprachlich-poetisches Talent stellt auch diese 1. selbständige 
Veröffentlichung unter Beweis, deren einzelne Erzählminiaturen motivisch wie ein Bilderteppich verflochten sind. So entsteht ein "Reigen" aus Liebesgeschichten, die auf der heiklen Grenze von 
autobiographischem Bekenntnis und literarischer Stilisierung balancieren. Ein breiteres Interesse an dieser sensiblen Prosa der Martin Walser-Tochter kann prognostiziert werden.

Ronald Schneider ID: 17/94 BA: 06/94 NB: 02/94

 

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