Abdel-Qadir

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In der Stadtbücherei Altena zu Gast

ORIENTALISCHER ABEND

am Welttag des Buches
23. April 2001

Ghazi Abdel-Qadir erzählt 
und liest aus seinen Büchern

Kostenbeitrag: 7,- / 5,- DM

 

Pressebericht zu dieser Veranstaltung

 

Ghazi Abdel-Qadir
Woran denkt man bei dem Namen Abdel-Qadir? An einen Schriftsteller? Einen orientalischen Geschichtenerzähler? Einen Kämpfer für Palästina? Oder an einen hintersinnig humorvollen Intelektuellen? Auf Ghazi Abdel-Qadir treffen alle diese Definitionen auf höchstem Niveau zu.

Die Vielseitigkeit seiner Themen, die genaue Kenntnis der Probleme der arabischen Völker, insbesondere der Palästinenser, und sein unverdrossener Appell für Frieden und Versöhnung sind geprägt von seiner bewegten Biographie:

1948 in Palästina geboren musste er mit 16 Jahren die Schule abbrechen, um zum Familienunterhalt beizutragen. Er arbeitete in Kuwait als Hotelboy, Bauchladenverkäufer, Briefeschreiber vor der Post, Kellner und später als Restaurantbesitzer. 

In Jordanien holte er das Abitur nach und studierte dann in Bonn und Siegen u.a. Germanistik, Anglistik, Evangelische Theologie und Islamwissenschaft. 
Nach einer Zeit als Übersetzer, Lehrbeauftragter und Privatdozent arbeitet er seit 1988  in Wilnsdorf als freier Schriftsteller.

Er lebt hauptsächlich in Deutschland und verfasst seine Bücher in deutscher Sprache. Die Verbindung zu seiner Heimat Palästina blieb jedoch unverändert eng. Als Palästinenser ist Abdel-Quadir tief verwurzelt in der arabischen Kultur, aber er vermag die Probleme seines Landes aufgrund seines Lebens in fremden Ländern auch von außen zu beurteilen.

So entstehen seine tiefsinnig-heiteren Geschichten mit selbstkritischem Humor, unverkrampft und mit unverkennbarer Liebe zu seiner Heimat.

Gleich mit seinem ersten, humorvoll-nachdenklichen Roman "Abdallah und ich" begeisterte er Leser und Kritik.

Als wichtigstes Buch gilt "Die sprechenden Steine" (1992), in dem er eindringlich den israelisch-palästinensischen Konflikt schildert und leidenschaftlich, aber niemals subjektiv, um Verständnis für das Schicksal der Palästinenser wirbt.

Besonders geglückt ist ihm auch seine heitere Kindergeschichte "Spatzenmilch und Teufelsdreck", die den turbulenten Alltag einer multikulturellen Familie in Deutschland schildert.

Die orientalische Erzählfreude und Fabulierkunst in seinen Büchern gewinnt noch an Wirkung, wenn Ghazi Abdel-Qadir auf Lesungen zu erzählen beginnt uns seine Zuhörer in ferne arabische Länder entführt. Am Ende bleiben Verzauberung, Verstehen und auch Betroffenheit.

(QUELLE: Buch der Jugend)

 

Die Gegenüberstellung unterschiedlicher Kulturkreise, die Abdel-Qadir im eigenen Leben immer wieder erfahren hat, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Bücher. Damit verbunden ist das Aufzeigen der Gegensätze, das Wecken des Interesses an fremden Kulturen. Immer fühlt man sich bereichert, aber stets ohne das Gefühl, dass der Autor seinen Lesern etwas bewusst vermitteln, gar beibringen möchte. Trotzdem ist das Plädoyer für Verständnis und Toleranz auf beiden Seiten eindeutig. Nur so ist ein friedliches Nebeneinander erst möglich. Abdel-Qadir erweist sich als Lehrer ohne zu lehren, als Politiker ohne zu polarisieren, als Vermittler zwischen der arabischen und der europäischen Kultur ohne zu dozieren. Vor allem aber ist er eins: ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. Genau diese Vielfalt zeichnet sein schriftstellerisches Können aus.

(QUELLE:Nicola Kiwitt: Autoren-Reader Kultursekretariat NRW)

 

Literaturpreise

Ghazi Abdel-Qadir wurde mit vielen namhaften Preisen ausgezeichnet, u.a.:

Friedrich-Gerstäcker-Preis

Züricher Jugendbuchpreis "La vache qui lit"

Österreichischer Jugendbuchpreis

Literaturpreis der Stadt Boppard

Gustav-Heinemann-Friedenspreis

2 mal auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis

 

Dokumente im Internet über Ghazi Abdel-Qadir bei Google

Lieferbare Bücher von Ghazi Abdel-Qadir bei Amazon.de

In der Stadtbücherei Altena ausleihbare Bücher von Ghazi Abdel-Qadir

 

 

Bisher erschienene Bücher:

Für Jugendliche und Erwachsene:

Abdallah und ich

Mohammed - Worte wie Oasen

Die sprechenden Steine

Weizenhaar - Ein Sommer in Marokko

Für Kinder ab 9 Jahren und Jugendliche:

Das Blechkamel

Coco & Leila (Serie)
1. Rätsel um Leila
2. Immer diese Väter
3. Janka hält dicht
4. Abenteuer in Kairo
5. Doppeltes Glück
6. Überraschung aus dem Orient

Das Geschenk der Großmutter Sara

Mister Petersilie

Mountainbike & Mozartkugeln

Mustafa mit dem Bauchladen

Spatzenmilch und Teufelsdreck

Sulaiman

Tim und der Wolfshund

Für Kinder ab 6 Jahren:

Bombastus

Hälftchen und das Gespenst

Schamsi und Ali Baba

Der Wasserträger

 

Buchbesprechungen (überwiegend von der EKZ)

Das Blechkamel / Ghazi Abdel-Qadir. - 1. Aufl. - München : Klopp, 1994. - 110 S. : Ill. ; 19 cm ISBN 3-7817-0109-3 fest geb. : 19,80  
Untertitel
: Samira (12) lebt mit ihrer Großmutter in einem Getto am Stadtrand von Kairo. Stück für Stück erfährt sie die Geschichte ihres Heimatdorfes, dessen Bewohner sich selbst die Lebensgrundlage entzogen haben.
Besprechung: Samira ist etwa 12 Jahre alt und lebt mit ihrer Großmutter in einem Getto am Stadtrand von Kairo. Stück für Stück erfährt sie von der Tante die Geschichte ihres Heimatdorfes, dessen Bewohner für einen schnellen Gewinn Wasser vergeudeten, Agrartraditionen ignorierten und sich so die Lebensgrundlage entzogen. Umweltzerstörung und Kulturverfall sind die Themen in Abdel-Qadir's 7. Jugendbuch (zuletzt BA 8/94). Dabei wird der Leser weniger zum "Bemitleiden" als vielmehr zum Mitdenken aufgefordert. Am Beispiel des Dorfes werden Prozesse sichtbar gemacht, wie sie in vielen Tourismusländern der Dritten Welt im Gange sind. Die Handlung wird locker, ohne übermäßige Belehrung oder Dramatik vorgetragen. Die Illustrationen von Bettina Buresch passen zum Text und dürften den Geschmack der Altersgruppe treffen. - Breit empfohlen.
Robert Elstner      ID: 35/94   BA: 10/94   NB: 01/95
2. Besprechung (nicht ekz): Seit Samira denken kann, lebt sie am Rand der Großstadt. Kein Mensch weit und breit besitzt auch nur ein einziges Kamel. Was soll da das Gerede ihrer Großmutter von Kamelherden? Und warum um alles in der Welt soll man sich vor dem Wasseringenieur in acht nehmen? Jedoch nach und nach erfährt Samira die Geschichte ihres früheren Dorfes. Danach ist ihr die Wut ihrer Großmutter auf den Wasseringenieur durchaus verständlich. Ghazi Abdel-Qadir erzählt sehr eindringlich von der Übervorteilung einer orientalischen Dorfgemeinschaft, die zuletzt im Slum der Großstadt vom Müll der Reichen leben muß. Er zeigt dabei auf, daß alte Traditionen durchaus einen großen Wert darstellen können, wenn sie wie hier auch das Gleichgewicht der Natur im Auge haben. Es ist keine moralinsaure Geschichte, gleichwohl wird sich so manche/r nach ihrer Lektüre verwundert in ihrem/seinem überladenen Kinderzimmer umsehen.

Ulrich Karger
    Büchernachlese  



Bombastus
: ein zweites Pony muss her! / Ghazi Abdel-Qadir. Mit Bildern von Susanne Smajic. - Frankfurt am Main [u.a.] : Sauerländer, 2000. - 64 S. : zahlr. Ill. (farb.) ; 23 cm 
ISBN 3-7941-4615-8 fest geb. : DM 22.95
Untertitel: Bombastus möchte seinem neuen Geschwisterchen ein Geschenk machen - am liebsten ein Pony. Doch Ponys sind teuer, und so steht der aufgeweckte Dreikäsehoch vor der harten Aufgabe, Geld zu beschaffen.
 
Besprechung: Nachwuchs ist angesagt, und für den kleinen Jungen Bombastus (!) ist klar, dass es eine Junge wird ("Bombastus der Zweite") und dass er dem Baby etwas schenken möchte. Das beste Geschenk scheint ihm ein Pony zu sein. Doch Ponys sind teuer und Bombastus steht vor der harten Aufgabe, Geld zu beschaffen. Bombastus ist ein lustiger Dreikäsehoch, aufgeweckt und ein bisschen nachlässig, eine sympathische Figur. Die Geschichte ist harmlos-locker erzählt, durchaus dem Kinderleben entnommen (z.B. wo Bombastus sich nicht von seinem Krimskram trennen kann), angesiedelt (vermutlich) irgendwo in einem südlichen bzw. orientalischen, von Touristen besuchten Land. Die farbigen, z.T. ganzseitigen Bilder wirken etwas nostalgisch. - Gern schon in mittleren Bibliotheken.
Elisabeth Mair-Gummermann      ID: 39/00   BA: 11/00


Das Geschenk von Grossmutter Sara. - Frankfurt am Main [u.a.] : Sauerländer, 1999. - 116 S. : Ill. ISBN 3-7941-4459-7 fest geb. : 26,80
Untertitel: Liane lebt in Beirut und verbringt ihre Ferien am liebsten bei ihrer Großmutter auf dem Land. Diese hat das 2. Gesicht und träumt von ihrem baldigen Tod, was die ganze Familie in helle Aufruhr versetzt. Gemeinsam wird ein vorgezogenes Trauermahl gefeiert!
Besprechung: Liane lebt in Beirut, ihre Ferien verbringt sie aber am liebsten auf dem Land, bei der Großmutter und ihrem Pferd. Die Großmutter hat das zweite Gesicht, und als sie träumt, daß sie am Freitag sterben wird, gerät die ganze Familie in Aufruhr. Alle kommen ins Dorf, man feiert ein "vorgezogenes Trauermahl", verteilt nach dem Willen der Großmutter die Erbstücke und bereitet das Begräbnis vor. Doch am Ende der makaberen Zeremonie klettert Großmutter Sara erschöpft, aber wohlbehalten aus ihrem Sarg. Zu gleichen Zeit wird die alte Stute Sara II trächtig und stirbt später bei der Geburt des Fohlens - der Traum bekommt eine neue Bedeutung. Ein Kinderbuch über Sterben, Tod und Geburt, über das menschliche Kommen und Gehen. Der in Deutschland lebende palästinensische Autor (zuletzt "Weizenhaar", BA 4/98) erzählt die Geschichte kindgerecht und verständlich, lesenswert und fast ein bißchen spannend, in einer gelungenen Mischung aus Respekt und gleichzeitig kindlicher Neugier dem Tod gegenüber. - Für viele Bibliotheken.
Elisabeth Mair-Gummermann    ID: 06/99   BA: 04/99


Hälftchen und das Gespenst / Ghazi Abdel-Qadir. Ill. von Birgitta Heiskel. - 1. Aufl. - Wien : Dachs-Verl., 1997. - 44 S. : zahlr. Ill. (farb.)  ISBN 3-85191-095-8 fest geb. : 19,80
Untertitel: Hälftchen ist zwar nur eine halbe Portion, kann sich aber gegen seine beiden Vettern und den Menschenfresser sehr wohl zur Wehr setzen...
Besprechung: Ein Märchen von 3 ungleichen Vettern, breit und ausschmückend erzählt im Stil der orientalischen Tradition. Von den 3 Söhnen der 3 Brüder ist der eine durch ein Ungeschick nur als ein  "Hälftchen" auf die Welt gekommen. Deswegen wird ihm nichts zugetraut, aber durch Klugheit und Beharrlichkeit setzt er sich auch als halbe Portion durch, rettet die Vettern vor dem Menschenfresser und lernt es, treffsicher einhändig mit dem Brotschieber zu jagen. So wird aus dem Hälftchen jemand, den alle für voll nehmen. Vorher ist aber noch von der Vortrefflichkeit der Zwiebel und von der Heilerin zu hören, die 3 wundersame Früchte an die 3 Brüder weitergibt. Das Buch hat ein handliches Hochformat, viel Text. Die farbigen, z.T. ganzseitigen Bilder fangen das Geheimnisvolle und das Menschlich-Alltägliche des märchenhaften Orients ein. - Empfohlen. Ab 8.
Ursula Führer      ID: 13/97   BA: 05/97     


Mister Petersilie / Ghazi Abdel-Qadir. - Frankfurt am Main [u.a.] : Sauerländer, 1997. - 140 S. : zahlr. Ill. In neuer Rechtschreibung. ISBN 3-7941-4260-8 fest geb. : 24,80
Untertitel: Habib lebt mit seiner Mutter in einem arabischen Flüchtlingslager. Als die Mutter krank wird, muß Habib das Geld fürs tägliche Leben durch den Verkauf von Kräutern verdienen. Er erlebt die Ungerechtigkeiten aber auch die Freundschaft und Solidarität der Menschen im Lager.
Besprechung: Habib lebt mit seiner Mutter in einem arabischen Flüchtlingslager am Rande einer Stadt. Die Mutter verdient mühsam den Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Küchenkräutern, dabei hilft Habib nach der Schule, und deshalb nennen ihn die anderen Kinder auch "Mister Petersilie". Viel Zeit zum Fußballspielen bleibt ihm nicht. Als die Mutter krank wird, muß Habib allein Geld verdienen. Seine tägliche Mühsal und seine kleinen Freuden werden geschildert, die Ungerechtigkeit und Ausbeutung, die er erlebt, aber auch die Freundschaft und Solidarität der Menschen im Lager. Die Leserinnen und Leser erfahren, wie normal ein solches Leben für viele Kinder in unserer Welt ist. Neben anderen Erzählungen des Autors von Kindern in der arabischen Welt vielen Bibliotheken empfohlen. Ab 10.
Karin Augschill      ID: 31/97   BA: 09/97   NB: 01/98  


Mountainbike & Mozartkugeln / Ghazi Abdel-Qadir. - 1. Aufl. - München : Klopp, 1997. - 134 S. : Ill.  In neuer Rechtschreibung. ISBN 3-7817-0110-7 fest geb. : 19,80
Untertitel: Katja, die gern zur Clique der "Fliegenden Radler" gehören möchte, bekommt von ihrer Oma zum Geburtstag das lang ersehnte Mountainbike geschenkt...
Besprechung: Wird Oma der Katja ihren sehnlichsten Geburtstagswunsch, ein Mountainbike, erfüllen, obwohl sie Kisma, "die Streberin", nicht zur Geburtstagsfeier eingeladen hat? Ohne das Fahrrad kann sie nicht bei den Wettrennen der "Fliegenden Radler", der wichtigsten Clique ihrer Klasse, mitmachen. Sie bekommt das Fahrrad, und es spielt eine wesentliche Rolle bei allerlei komischen und weniger komischen Alltagsturbulenzen. Die ausländerfeindlichen Beschimpfungen eines Cliquenmitglieds führen auf Initiative von Katja und Carola zu einer Entschuldigung, die Abwehr- und Rückzugstendenzen Kisams und Katjas werden von Kismas Mutter bzw. Katjas Oma "aufgefangen". G. Abdel-Qadir, bekannt durch meisterhaft vermittelte und erzählte arabische Kindheitserfahrungen sowie turbulent-komische Situationen in einer multikulturellen Familie, erreicht mit diesem Buch nicht die Vitalität früherer Erzählungen. Geschichte und Figuren wirken z.T. konstruiert, vorrangig pädagogisch motiviert.

Ulrike Bischof      ID: 16/97   BA: 06/97


Mustafa mit dem Bauchladen / Ghazi Abdel-Qadir. - Zürich [u.a.] : Nagel & Kimche, 1993. - 143 S. ; 21 cm  ISBN 3-312-00765-8 fest geb. : 24,80
Untertitel: Als sein Vater ins Gefängnis kommt, muß sich Mustafa (11) in Kuwait allein durchschlagen.
Besprechung: Der Autor erweitert die Bandbreite der Verlage, in denen er veröffentlicht. Im Unterschied zu "Spatzenmilch und Teufelsdreck", auch in diesem Herbst bei Klopp (s. in dieser Nr.), ist vorliegender Titel wieder im Vorderen Orient angesiedelt, im Kuwait der 70er Jahre. Vorgeführt wird die sozial  randständige und rechtlose Lage der Arbeitsmigranten aus den umliegenden arabischen Ländern. Die Ich-Erzählung aus der Sicht eines unter diesen Bedingungen gebeutelten 11jährigen aus dem Libanon, dessen Mutter tot ist, dessen Vater daraufhin dem Alkohol verfällt und deshalb ungerechterweise ins Gefängnis kommt, bedient sich einer gängigen Abenteuer-Dramaturgie. Der Held schlägt sich durch, findet Freunde, hat abwechselnd Glück und Pech, am Ende seinen erkämpften Besitz verloren, aber den Vater wieder. Eine Geschichte mit "Hollywood-Touch", die gleichwohl einen kleinen Einblick in die Hintergründe von Flüchtlingsschicksalen gibt. Ab 11.
Beate Ziegenhagen      ID: 33/93   BA: 10/93


Schamsi und Ali Baba / Ghazi Abdel-Qadir. Bilder von Peter Klaucke. - Zürich [u.a.] : Nagel & Kimche, 1995. - 59 S. : überw. Ill. ; 21 cm. ISBN 3-312-00780-1 fest geb. : 22,80
Untertitel: Der Araberjunge Schamsi (7) fährt zum ersten Mal mit seinem Hahn Ali Baba in die Stadt. Dort kann Schamsi seinen Freund gerade noch vor dem Suppentopf retten...
Besprechung: Auch Ghazi Abdel-Qadirs neueste Geschichte (vgl. auch BA 8/94; 10/94) führt in den arabischen Raum. Auf seine erste Fahrt in die Großstadt will der 7jährige Schamsi unbedingt den Hahn Ali Baba mitnehmen. Im Bus schon wird dem armen Gockel schlecht, und als sie endlich angekommen sind, treibt ihn der Straßenlärm zu einer wilden Flucht über orientalische Märkte. Mit Mühe und Not kann Schamsi seinen Freund vor dem Suppentopf retten, nachdem er eine Erdbeerverkäuferin, einen Milch- und einen Pfirsichhändler geschädigt hat. Eine heiter-turbulente Erstlesegeschichte mit märchenhafter Diktion und einem deutlichen Schuß Trivialität. Die sehr realistisch gehaltenen Schwarzweißzeichnungen von Peter Klaucke passen zum Text und nehmen gut die Hälfte des Buches ein. Als sonnig-problemlose Lektüre mit fremdländischem Flair überall möglich, jedoch kein Muß.
Robert Elstner      ID: 13/95   BA: 05/95


Spatzenmilch und Teufelsdreck / Ghazi Abdel-Qadir. - 1. Aufl. - Berlin [u.a.] : Klopp, 1993. - 171 S. :  Ill. ; 20 cm       ISBN 3-7817-0108-5 fest geb. : 19,80
Untertitel: Michael (11) lebt in einer arabisch-deutschen Familie. Als der Großvater aus Jordanien zu Besuch kommt, gibt es einige Mißverständnisse und Verwicklungen...
Besprechung: Schauplatzwechsel im neuen Buch des Autors: vom Vorderen Orient in deutsche Lande, in eine binational zusammengesetzte Familie, bestehend aus dem arabischen Vater Karim mit seiner Tochter Fatima, einer zweiten deutschen Frau mit ihrem Sohn Michael und ihrer Mutter. Kulturell-religiöse Mißverständnisse und Differenzen tauchen erst in dem Moment auf, als Karims Vater aus Jordanien für ein halbes Jahr zu Besuch kommt. Das Geschehen ist als humorvolle Familiengeschichte inszeniert, erzählt aus der Sicht des 11jährigen Michael, in vergleichbarer Dramaturgie wie andere Großvater-Geschichten, in denen die Großväter ihren Willen meistens durchsetzen, liebevoll-sympathisch-schlitzohrig, häufig verbündet mit den (Enkel-)Kindern. Angenehm ist der selbstverständliche Ton, im Positiven wie im Negativen des Miteinanders. Nur die Spannungsklammer greift zu wenig. - Für 10-12jährige LeserInnen, die lustige Familienepisoden mögen, empfohlen.
Beate Ziegenhaben      ID: 33/93   BA: 10/93     
2. Besprechung (nicht ekz): Fatima und Michael sind so etwas wie Stiefgeschwister, seit ihr Vater und seine Mutter zusammen sind. An Fatima ist eigentlich nur der Name arabisch, und als ihr Opa aus Jordanien zu Besuch kommt, ist sie genauso froh wie Michaels Familie, daß er deutsch gelernt hat. Trotzdem kommt es zu Mißverständnissen, die einerseits durch Opa Tanturis Kräuterapotheke und andererseits durch seine Frömmigkeit ausgelöst werden. Die Konflikte gehen quer durch die drei Generationen, schaffen aber auch unerwartete Koalitionen. Dank der selbstkritischen Einsicht in die Komik mancher Situationen und dem glaubhaften Versuch, doch jeweils den anderen verstehen und respektieren zu wollen, wird aber letztlich jedes Problem gelöst. Der Autor Ghazi Abdel-Qadir leistet mit 'Spatzenmilch und Teufelsdreck' einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Angst vor Fremdem und Fremden, gerade weil er ohne hoch erhobenen Zeigefinger auf das Eigentliche im menschlichen Zusammenleben zu verweisen vermag.
Ulrich Karger    Büchernachlese 




Die sprechenden Steine / Ghazi Abdel-Qadir. - Weinheim [u.a.] : Beltz u. Gelberg, 1992. - 150 S. ; 22 cm             ISBN 3-407-79600-5 fest geb. : 22,00
Untertitel: Eine Geschichte über das schwierige Zusammenleben von palästinensischen und jüdischen Jugendlichen und Erwachsenen in den israelischen Westbanks.
Besprechung: Beginn der Intifada vor 5 Jahren: Was bringt palästinensische Jugendliche und Kinder dazu, mit Steinen nach Israelis zu werfen? Felicia Langer, die jüdische Rechtsanwältin, zitiert in ihren Aufzeichnungen (BA 4/91) ihren Fahrer: "Was denken Sie sich, diese Kinder verstehen vieles. Sehen Sie nur, mit welchem Mut sie auftreten." Der 11jährige Kamal, der Ich-Erzähler der vorliegenden Geschichte, ist mutig und ängstlich zugleich. Er lebt mit seiner Mutter - der Vater arbeitet in Deutschland -, der jüdischen Großmutter, einem Großonkel und 3 Schwestern in einem Dorf auf der Westbank. Sein einerseits kindliches und andererseits sehr verständiges Reagieren und Beobachten prägen die in ruhiger Selbstverständlichkeit beschriebenen Ereignisse. LeserInnen (ab 11) bei uns könnten ein wenig mehr verstehen, was es heißt, unter militärischer Besatzung zu leben, wie es dazu kam, und welche Hoffnungen die Menschen haben. Ein wichtiges Buch für alle (Schul-)Bibliotheken.
Beate Ziegenhagen      ID: 43-44/92   BA: 12/92   NB: 01/93


Sulaiman : Roman / Ghazi Abdel-Qadir. - Weinheim [u.a.] : Beltz & Gelberg, 1995. - 125 S. ; 22 cm  ISBN 3-407-79668-4 fest geb. : 22,00
Untertitel: Suleiman darf zu den Großeltern aufs Dorf ziehen. Er freut sich, doch die Kinder verspotten ihn als Städter.
Besprechung: Der Klappentext des Buches erweckt den Eindruck, die Geschichte beschreibe heutiges den Traditionen verhaftetes Leben in einem palästinensischen Dorf. Eine Vorbemerkung im Buch erklärt, daß sie in den 30er Jahren spielt. Der Konflikt, über den erzählt wird, ist allerdings zeitlos, die Ausgrenzung eines fremden Kindes in einer Gemeinschaft von Einheimischen, und er wird dabei ein wenig entgegen der üblichen Klischees dargestellt. Ein in der Stadt aufgewachsener Junge kommt zur Entlastung der Großeltern ins Dorf, wo ihn die Kinder als Städter verspotten. Die durch den Großvater schlitzohrig "erkaufte" Solidarität hält nicht in jedem Fall, so daß Sulaiman doch immer wieder in Bedrängnis gerät, besonders als die Gleichaltrigen feststellen, daß er nicht beschnitten ist. Der launig-schwankhafte Erzählstil, vergleichbar dem in "Abdallah und ich" vom selben Autor (BA 11/91), nur einfacher und kindlicher in der Diktion, entschärft die Dramatik des Dargestellten. - Zur Ergänzung neben anderen Titeln des Autors.
Beate Ziegenhagen      ID: 21/95   BA: 07/95     


Überraschung aus dem Orient / Ghazi Abdel-Qadir. - München : Egmont Schneider, 2000. - 138 S. ; 19 cm. -  (Coco & Laila / Ghazi Abdel-Qadir ; 6) ISBN 3-505-11417-0 fest geb. : DM 16.95
Besprechung: Coco und Laila, zwei 13-jährige Mädchen, gehen nicht nur in dieselbe Klasse, auch ihre Familien sind aufs Engste verbunden: Cocos Mutter und Leilas Vater sind ein Paar und erwarten Nachwuchs.  In diesem 6. Band der Serie geht es um den turbulenten Umzug, der die Familien in einem Haus vereint. Dazu kommt ein interessantes Nachhilfeprojekt, an dem die beiden Mädchen und viele ihrer Klassenkameraden teilnehmen, und nicht zuletzt die Überraschung aus dem Orient: ein Freund von Lailas Vater, der sich als Cocos verschollener Vater entpuppt. Spannendes Lesefutter, das bei Mädchen ab 10 sicher Anklang finden wird. Die Geschichte ist für sich lesbar und verständlich, die Neugierde nach der Vorgeschichte (bisher hier nicht besprochen) wird aber bei halbwegs aufmerksamen Leserinnen geweckt sein. Einsetzbar in vielen Bibliotheken.
Elisabeth Mair-Gummermann      ID: 03/01   BA: 03/01     


Der Wasserträger : die Geschichte von Abu Ali, seinem Esel Schamschum und all den anderen / Ghazi Abdel-Qadir. Mit Bildern von Marianne Bors. - 1. Aufl. - Wien : Jugend & Volk, 1994. - 84 S. : zahlr. Ill. ; 21 cm. - (Hamsterbücher für Bücherhamster)  ISBN 3-224-11344-8 fest geb. : 14,80
Untertitel: Schlitzohrige Weisheit aus dem Morgenland: Bei allem guten Willen, man kann es keinem recht machen!
Besprechung: Schlitzohrige Weisheit aus dem Morgenland präsentiert der Autor in einer Geschichte zwischen Märchen und Fabel. Der gutmütige und zufriedene Wasserträger Abu Ali läßt sich zunächst von seiner Frau, die durch ihre Eltern angestachelt wurde, und dann von all seinen Kindern mehrmals überreden, doch einen anderen, einen anerkannteren Beruf als den des Wasserträgers zu ergreifen. Bei allem guten Willen, immer wieder geht es schief, muß mit Verlusten bezahlt werden, so daß Abu Ali schließlich seine Familie um einen Gefallen bittet, womit in der Geschichte ein uns bekanntes Motiv auftaucht: Die Familie ist mit dem Esel unterwegs, und gegen jeden, der auf dem Esel reitet, gibt es Einwände; man kann es eben keinem recht machen. Solche Geschichten leben vom lebendigen Vortragen und Erzählen. Wo z.B. die Bücher von Salim Alafenisch gefragt sind, kann vorliegender Band als eine einfache, für Kinder konzipierte Variante eingestellt werden.
Beate Ziegenhagen      ID: 25/94   BA: 08/94iltisdbf.dbf.ddb.de


Weizenhaar : ein Sommer in Marokko / Ghazi Abdel-Qadir. - Frankfurt am Main [u.a.] : Sauerländer, 1998. - 159 S. In neuer Rechtschreibung. ISBN 3-7941-4322-1 fest geb. : 24,80
Untertitel: In den Ferien fährt Claudia (14) nach Marokko zur Verwandtschaft ihrer Cousine Nadia. Obwohl sie begeistert ist von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen, hat sie  Schwierigkeiten, sich an das streng geregelte Leben zu gewöhnen. Besonders als sie sich in einen jungen Marokkaner verliebt...
Besprechung: Die 14jährige Claudia darf mit ihrer Cousine Nadia 2 Wochen bei Nadias Verwandschaft in einem nordmarokkanischen Dorf verbringen. Die beiden werden herzlichst aufgenommen und sich von der Fremdartigkeit begeistert. Sie müssen sich aber auch auf die einfachen Verhältnisse und das reglementierte Leben einstellen. Ganz besonders schwierig wird dies, als sich Claudia in einen jungen Marokkaner verliebt. Die Geschichte zweier ganz "normaler" Mädchen, die mit Neugierde und Offenheit, aber auch mit bestimmten Vorstellungen eine fremde Welt erkunden; beschrieben in einer sehr treffenden Sprache: nicht penetrant flapsig in dem, was Erwachsene für Jugendjargon halten, aber auch nicht klug-pädagogisch. Ein Buch, das eine starke Geschichte erzählt und zugleich Sympathie für ein fremde Kultur weckt. - Für möglichst viele Bibliotheken.
Elisabeth Mair-Gummermann      ID: 09/98   BA: 04/98   NB: 02/98